Interdisziplinäre Arbeitsgruppe

KONFLIKTLANDSCHAFTEN


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Schärpenburg

Zeugnis einer mittelalterlichen Konfliktlandschaft zwischen Ems, Bourtange und den kirchlichen Verwaltungsbezirken Münster und Osnabrück

Das Areal in dem die Schärpenburg vermutet wird im aktuellen Luftbild (Quelle: ESRI)

Digitales Oberflächenmodell der Verdachtsflächen.

Datierfähiges Material (hier Astholz) im Bohrkern.

Schärpenburg ist ein gemeinsames Projekt der Kooperationspartner Gemeinde Heede und Universität Osnabrück. Ziel des Projektes ist es auf dem Gebiet der Gemeinde Heede, in der mittel- und unmittelbaren Umgebung der 1000jährigen Linde, nach den Überresten einer Burganlage zu suchen, die in den meisten historischen Quellen als 'Schärpenburg' bezeichnet wird.

Aus historischen Karten ist lediglich eine grobe Verortung der Schärpenburg bekannt. Charakter, Ausdehnung, genaue Lage sowie auch der Zeitpunkt der Errichtung des - vermutlich aus mehreren Gebäuden und Verteidigungsanlagen bestehenden - Burgkomplexes lassen sich hingegen nicht aus vorliegenden Quellenkorpora erschließen. Die historische Überlieferung spricht weiterhin von mehrfacher Zerstörung und mindestens einmaliger Wiedererrichtung der Burganlage. Jedoch können auch diese Zeitphasen aus den historischen Quellen nur vage abgeleitet werden. So ist ein weiteres Ziel des Projektes die möglichst genaue zeitliche Eingrenzung bzw. Zuordnung der noch vorhandenen archäologischen Materialität (z. B. in Form von Gebäuderesten oder Graben- bzw Gräfteverfüllungen) und die damit einhergehende Überprüfung etablierter Narrative um die Geschichte der Schärpenburg.

Unser Team erarbeitet ein wissenschaftliches Konzept für das Projekt, betreibt geschichtswissenschaftliche Recherchen, führt geoarchäologische Untersuchungen im Feld und Labor durch und koordiniert die Zusammenarbeit mit den Datierungslaboratorien sowie beteiligten Projektpartnern.

 

Projektzwischenstand

Nach Analyse schriftlicher Quellen, Feldbegehungen und dem Zusammentragen aller verfügbaren historischen und rezenten Geodaten in einem Geoinformationssystem (GIS) wurden Verdachtsflächen für Felduntersuchungen ins Auge gefasst. Im Frühjahr 2019 wurde zunächst im Bereich dieser Verdachtsflächen eine LiDAR-Drohnenmessung realisiert und von Dr. Harm Bartholomeus sowie Marcello Novani von der Universität Wageningen (NL) durchgeführt. Die Messungen aus der Luft erbrachten LiDAR-Punktwolken mit sehr hoher Dichte, woraus feinmaschige Oberflächen- und Geländemodelle generiert und ebenfalls ins GIS eingepflegt werden konnten. Neben Feinreliefanalysen wurden die LiDAR-Modelle auch für die Planung zweier geoarchäologischen Explorationen herangezogen. Diese fanden ebenfalls im Frühjahr 2019 auf den Verdachtsflächen statt.

Die geoarchäologischen Explorationen beinhalteten eine Auswahl von Verfahren und Verfahrenskombinationen aus dem Methodenset unserer Arbeitsgruppe: Nach geodätischer Vermessung wurden vegetationsfreie Geländebereiche zunächst durch die Magnetometrie erfasst. Dieses bildgebende, nichtinvasive Verfahren erlaubte im Hinblick auf die o. g. Ziele erste Kartierungen und eine sehr genaue Verortung derjenigen Befunde im Untergrund, die auf Reste der Burganlage deuten könnten. Die Magnetometrie bildete somit eine erste notwendige Grundlage für gezielte, minimalinvasive Rammsondierungen, zunächst zum Zwecke der Überprüfung magnetischer Anomalien, letztendlich aber auch zur Beprobung der archäologischen Befunde.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befinden sich die projektbezogenen Ergebnisse in der Auswertung. Das datierfähige Material, das durch geoarchäologische Bohrungen gewonnen werden konnte, wird derzeit von den Datierungslaboratorien analysiert. Nach Vorliegen aller Datierungsergebnisse findet eine Zusammenschau und die wissenschaftliche Auswertung aller Projektergebnisse durch die AG Konfliktlandschaften statt.

Wir freuen uns in diesem Zusammenhang berichten zu können, dass die im Projekt erhobenen empirischen Daten auch Grundlage für drei studentische Abschlussarbeiten bilden und damit zur Stärkung der Verbindung zwischen universitärer Forschung und Lehre beitragen.

 

Abschlussarbeiten:

Viola Knöpker, BA, Universität Osnabrück, Thema: „Sedimentologische Situation im Bereich der historischen Schärpenburg in Heede (Emsland)“

Jens Christopeit, BA cand., Universität Osnabrück, Thema: „Geophysikalische Untersuchungen im Bereich der historischen Schärpenburg im Emsland“

Maximilian Bröcker, BA, Universität Leipzig, Thema: "Magnetometrie im Geoarchäologischen Kontext. Eine beispielhafte Prospektion zur Schärpenburg in Heede (Emsland)"